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Au Pair Erfahrungsbericht Sara in Indiana

Es ist schwer, ein ganzes Jahr in wenigen Worten zusammenfassen und doch habe ich es versucht, als ich nach einem Jahr in den USA wieder nach Hause zurückgekommen bin.

Meine kurze Antwort ist also, wenn ich gefragt werde wie mein Jahr war, dass es die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe.

Wenige Wochen, vor meinem Flug wollte ich nicht gehen. Ganz ehrlich, ich wollte nicht mehr in die USA. Ich wollte bei meinen Freunden in Deutschland bleiben, weil ich die beste Zeit überhaupt nach dem Abi hatte. Genau ein Jahr später saß ich weinend vor meiner Gastmutter und habe ihr gesagt, dass ich noch nicht wieder zurück nach Hause will. Vieles ändert sich in einem Jahr und die eigenen Perspektiven ändern sich.

Mein Jahr hat unglaublich toll gestartet. Schon am Flughafen in Frankfurt habe ich eine Gruppe von Mädchen getroffen, die auch als EurAupair Au Pairs in die USA geflogen sind. Wir hatten eine unglaublich aufregende Woche in New York zusammen und die Mädels waren in kürzester Zeit die besten Freundinnen, die ich mir auf diesem Abenteuer wünschen könnte. Vor allem meine jetzt beste Freundin Wiebke, mit der ich in einem Zimmer war und die später nur eine Stunde von mir entfernt gewohnt hat.

Eine Stunde hört sich verdammt weit weg an und am Anfang dachten wir, dass wir uns vielleicht doch nicht so viel sehen, aber ihr könnt mir glauben, dass eine Stunde in den USA nicht viel ist, vor allem nicht wenn man in Indiana wohnt.

Indiana, der Bundesstaat von dem die wenigsten eine Ahnung haben wo er überhaupt liegt. Sogar die Amerikaner, die wir in New York getroffen haben, konnten uns nicht viel über Indiana sagen. Es scheint so als wäre Indiana der vergessene Staat und manchmal habe ich mir gedacht, was dachtest du dir dabei nach Indiana zu gehen. In eine Kleinstadt mit 20 Tausend Einwohnern. Ich habe meine Entscheidung keinen einzigen Tag bereut. Ich hatte eine wundervolle Gastfamilie, die mich aufgenommen hat, wie ein Familienmitglied. Ich hatte drei unglaublich süße, kleine Mädchen, auf die ich aufgepasst habe und die mir unglaublich ans Herz gewachsen sind. Natürlich war es manchmal unglaublich schwer, vor allem im Winter. Meine drei süßen, kleinen Mädchen waren manchmal kleine Teufel und ich hatte einfach keine Lust mehr, jeden Tag auf sie aufzupassen und hinter ihnen herzuräumen oder mit ihnen über irgendwas zu streiten, aber so ist das mit kleinen Kindern und ich liebe meine Kleinen über alles, so dass ich ihnen nie wirklich lang böse sein konnte, am Ende war ein kleines Lächeln oder eine Umarmung genug, um den ganzen Stress des Tages aufzuwiegen.

In dem vergangenen Jahr habe ich unglaublich viele neue Erfahrungen gesammelt. Ich hatte die Möglichkeit auf’s amerikanische College zu gehen und dort mit anderen Amerikanern zu lernen. Dies war sehr spannend, weil ich so einen Einblick in das Leben von den amerikanischen Jugendlichen bekommen habe, den ich nur durch die Gastfamilie nie bekommen hätte.

Ich bin viel gereist, ich hatte die Freiheit und das Geld, alle paar Monate irgendwohin zu fliegen oder zu fahren. Ich war in Washington DC eine Freundin besuchen, die ich noch aus Deutschland kannte und eine andere aus New York. Ich war für Silvester in Miami, habe einen Tagestrip zum Grand Canyon gemacht, war zweimal in Kanada, in LA und sogar für zwei Wochen in Alaska, wer hätte gedacht, dass man so viel in einem Jahr erleben kann und auf all diesen Reisen war ich mit Wiebke, die ich von Anfang an jedes Wochenende gesehen habe. Jedes Wochenende ist eine von uns die eine Stunde gefahren, damit wir uns sehen konnten und es war es jedes Mal wert. Wir hatten zusammen die besten Wochenende, die man sich vorstellen könnte. Manchmal denke ich mir, dass es jemand sehr gut mit uns gemeint hat, dass wir so nah aneinander gewohnt haben. Es tut unglaublich gut in einem fremden Land jemanden zu haben, der deine Situation absolut nachvollziehen kann. Jemand, der weiß, wie hart der Job als Au Pair sein kann, jemand der ganz genau weiß, wie es ist, nicht mehr seine Familie die ganze Zeit um sich herum zu haben oder dass das amerikanische Essen einem manchmal einfach zum Hals raushängt und man sich einfach eine richtige Scheibe Brot wünscht. Manchmal ist es wirklich schwer, in einem anderen Land als der Heimat zu leben. Alles ist irgendwie anders, größer, die Menschen reden mehr und wollen unglaublich viel wissen. Aber genau das ist eine unglaublich tolle Erfahrung, weil es auch zeigt, wie sehr man doch seine Heimat schätzt.

Dieses Jahr hat mir sehr vieles gezeigt und mich sehr viel weiter gebracht. Ich habe gelernt, Dinge für mich selbst anzupacken, auf mich selbst gestellt zu sein und nicht abhängig zu sein von meinen Eltern. Ich bin selbstbewusster geworden deswegen. Ich weiß, dass ich auf mich zählen kann, wenn es mal stressig wird. Ich bin in diesem Jahr über mich selbst hinausgewachsen, wie es mir in fünf Jahren in Deutschland wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre. Allein für diese Erfahrung war es wert, ein Jahr ins Ausland zu gehen. Aber nicht nur, dass ich habe eine zweite Familie gefunden, die besten Gastgroßeltern, die ich mir wünschen könnte, die mich immer noch behandeln wie ihr eigenes Enkelkind. Meine drei Mädels, die geweint haben als ich gehen musste und vor allem auch die wundervollen Freunde, die ich in diesem Jahr gefunden habe und die für immer in meinem Herzen bleiben werden, auch wenn wir so weit von einander entfernt sind.

Und deswegen möchte ich euch allen zukünftigen Au Pairs eines ans Herz legen. Ich weiß, die meisten von euch wünschen sich in einer großen Stadt zu leben, in New York, Chicago oder irgendwo in der Sonne in Kalifornien. Ich bestreite nicht, dass ich mir das am Anfang nicht auch gewünscht habe. Jetzt bin ich dankbar, dass ich in dieser Kleinstadt in Indiana war, zwei Stunden entfernt von Chicago. In meiner kleinen Stadt war alles ein bisschen familiärer. Ich war wirklich ein Teil der Familie und habe nicht nur für sie gearbeitet und vor allem hatte ich nicht nur andere Au Pairs als Freunde, nicht, dass damit etwas verkehrt wäre, schließlich waren meine zwei engsten Freundinnen auch ein Au Pair aus Deutschland und eine aus Brasilien. Aber ich hatte auch viele Freunde, die selber Austauschstudenten aus ganz vielen verschiedenen Ländern waren und auch meine amerikanischen Freunde. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass meine Freundinnen, die in großen Städten waren, überwiegend mit anderen Au Pairs aus Deutschland befreundet waren einfach, aus dem Grund, dass man schneller zusammenfindet. Das ist toll und auch der Grund wieso Wiebke und ich so unglaublich schnell Freundinnen geworden sind, aber ich will damit sagen, versteift euch nicht darauf in eine große Stadt zu kommen, wenn ihr eine tolle Familie in einem kleinen Ort findet, in einem Bundesstaat, den ihr nicht mal kennt, dann zögert nicht, euch für diese Familie zu entscheiden, nur weil es nicht die coolste Gegend ist. Ihr wisst noch nicht was euch dort vielleicht erwartet. Ich für meinen Teil habe mich in Indiana verliebt. Indiana ist mein zweites Zuhause geworden und so tat es unglaublich weh, wieder zu gehen. Es war schwer, mein unbeschwertes Leben dort zurückzulassen, meine neue Familie und meine neuen Freunde. Die Tage an denen ich mich verabschieden musste waren die schwersten, die ich mir vorstellen konnte, aber ich bereue keine Entscheidung die mich zu diesem Tag geführt hat.

Mein Jahr hatte Höhen und Tiefen und manchmal waren die Tiefen kaum auszuhalten, aber am Ende haben es alle Höhen wieder wettgemacht. Und deswegen war dieses Jahr die beste Entscheidung die ich je getroffen habe und das beste Jahr was ich mir vorstellen könnte. Deswegen hoffe ich für euch alle, dass ihr selber die Möglichkeit haben werdet, ein so wunderbares Jahr zu haben wie ich.

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