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Go Campus Erfahrungsbericht Marius in Kalifornien

Puh, das Kofferpacken vor meiner Abreise ist aber auch mal wieder verdammt knapp gewesen. Aber wer kennt diese Ereignisse nicht, die immer so plötzlich anstehen und einen dann vollkommen überraschen? Ich muss ja zugeben, dass ich mich am Morgen des 13. August 2014 so gefühlt habe wie die ganzen panischen Geschenkkäufer am Morgen des 24. Dezember. Heiligabend, Abflugtag in die USA, das kommt aber auch alles immer so unerwartet! Nun ja, es wurde also zeitlich wieder mal etwas eng. Was ich allerdings immer noch nicht verstehen kann, ist, weshalb meine Familie so unruhig geworden ist. Die Abfahrt zum Flughafen war für 9:30 Uhr geplant, aber fertig mit dem Packen war ich bereits um 9:28 Uhr – wieso der Stress? Hat doch alles gepasst… Ich kann von Glück sprechen, dass das Beschaffen und Einreichen meiner Dokumente sowie die Immatrikulation an meinem College deutlich glatter und organisierter abgelaufen sind als mein Abreisetag, der meine Mutter ziemlich viele Nerven und mich meinen morgendlichen Kaffee gekostet hat.

Nachdem ich Anfang 2014 den Entschluss gefasst hatte, für zwei Semester in die USA zu gehen und dort mein Studium der Wirtschaftsinformatik zu beginnen, habe ich mich nach Möglichkeiten erkundigt, ein Stipendium an einer amerikanischen Hochschule zu erhalten. Dabei bin ich auf die Option "Go Campus" aufmerksam geworden. Bingo! Genau danach hatte ich gesucht. Mir hat vor allem der Gedanke gefallen, mich aus einer Reihe von Universitäten und Colleges für eine Hochschule entscheiden zu können. Ich habe also meine Kurzbewerbung ausgefüllt und wurde kurz darauf zum Kennenlernen eingeladen. Etwas aufgeregt war ich schon, denn ich wusste, dass das Gespräch teilweise auf Deutsch, teilweise aber auch auf Englisch stattfinden würde. Meine Nervosität hat sich allerdings ziemlich schnell gelegt, sodass das ganze wirklich kein Problem war. Nachdem dann ein paar Tage später die Zusage kam, dass ich für das Programm genommen bin, habe ich mich daran gemacht, meine Bewerbung für die amerikanischen Hochschulen fertigzustellen. Das war der Teil, an dem ich die Unterstützung durch Go Campus am hilfreichsten fand.

Was den Papierkram rund um die Beschaffung von Visum, TOEFL-Sprachtest und Immatrikulationsdokumenten angeht, so kann ich guten Gewissens sagen, dass die amerikanische Bürokratie der deutschen in nichts nachsteht. Für mein College musste ich außerdem ein Motivationsschreiben verfassen, das zu meinem Glück noch einmal von meiner Ansprechpartnerin bei Go Campus Korrektur gelesen wurde. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ein peinlicher, kleiner Fehler darein sicher für Aufmerksamkeit und Belustigung an meinem College gesorgt, denn die Formulierungen in a group of three und in a threesome haben dann doch eine etwas andere Bedeutung. Sehr hilfreich war auch eine PDF-Datei mit Last Minute Infos, die ich ein paar Tage vor meinem Abflug erhalten habe. Alles in allem war ich also rundum zufrieden mit der Planung und dem Ablauf meiner Vorbereitung hier in Deutschland.

Meine Zeit in Kalifornien selbst war natürlich die beste Erfahrung von allen. Ich habe an einem College, das mit weniger als 700 Studenten sehr klein war, in der Nähe von San Francisco studiert. Gerade die geringe Größe war ein echter Vorteil für das Studentenleben vor Ort. Es war alles sehr persönlich, denn bei so wenigen Studenten kennt man eben wirklich etwa die Hälfte persönlich und den Rest zumindest vom Sehen. Auch der Kontakt zu den Professoren war dort ganz anders als an großen Universitäten, bei denen der Anonymitätsfaktor sehr hoch ist. An meinem College war es wirklich nicht unüblich, dass sich die Professoren zum Mittagessen mit zu meinen Freunden und mir an die Tische gesetzt haben.

Was mir am gesamten amerikanischen Hochschulsystem sehr gut gefällt, ist die Rolle, die dort der Sport einnimmt. Es wurden ziemlich viele verschiedene Sportarten angeboten, über die Klassiker Football und Baseball über Basketball und Fußball bis hin zu Wrestling, Gold und Cross Country, für das ich mich dann letzten Endes entschieden hatte. Training hatte ich mit dem Rest des Teams an jedem Tag unter der Woche für zwei Stunden sowie ein weiteres Mal am Wochenende. Bei so vielen Malen Training kommt von der Strecke her pro Woche schon mal ein Marathon zusammen. Zeitweise war das ziemlich anstrengend, aber ein super Ausgleich zum akademischen Alltag. Ich kann nur jedem empfehlen, einen Sport am College zu betreiben! Gerade beim Kennenlernen neuer Leute ist bei mir besonders die Sportart, der man nachgeht, ein häufiges Einstiegsthema ins Gespräch gewesen und hat für interessante Unterhaltungen gesorgt.

Neben Sportangeboten gab es am College eine Unmenge an Clubs, die ausnahmslos von Studenten gegründet worden sind. Die Vielfalt war dabei am besten: ein Intercultural Affairs Club hat genau so wenig gefehlt wie ein Hiking Club oder ein Late Night Gamers Club. Gerade bei einem gemeinsamen Interesse fand ich es ziemlich leicht, mit anderen Studenten ins Gespräch zu kommen. Schön war auch die Orientierungswoche, die größtenteils zum Kennenlernen der Kommilitonen gedacht war. Von Ausflügen auf abgelegene Ranches ohne Telefon- und Internetzugang – ja, das gibt es in Kalifornien tatsächlich! – bis hin zu Lagerfeuern und Sportturnieren auf dem Campus haben wir wirklich eine Menge unternommen. Bei diesem Aufgebot an Aktivitäten ist es schon eine Kunst, sich nicht zu integrieren und den Rest des Jahrgangs zu treffen.

Insgesamt ging meine Zeit in Kalifornien gefühlt leider recht schnell vorbei. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem man getrennte Wege geht, was anfangs gar nicht so leicht fällt, nachdem man lange Zeit jeden Tag zusammen verbracht hat. Mit meinem Freundeskreis habe ich allerdings über Facebook, Skype und co. noch immer regen Kontakt, und da ich in München lebe, ist irgendwann natürlich ein Pflichtbesuch auf dem Oktoberfest fällig.

Nachdem ich nun meine zwei Auslandssemester hinter mir habe und mein Studium in Deutschland fortsetze, muss ich sagen, dass mir von allen Dingen der zwischenmenschliche Umgang in den USA am besten gefallen hat. Es ist einfach eine tolle Sache, mit Kommilitonen auf dem gleichen Campus zu leben und zu studieren. Darüber hinaus konnte ich mich auch sehr gut mit der amerikanischen Freundlichkeit anfreunden, die ich seitdem in Deutschland ein wenig vermisse. Stünde ich heute noch einmal vor der gleichen Wahl, in den USA zu studieren oder nicht, so würde ich mich ohne Zögern wieder dafür entscheiden. Auch würde ich mich wieder von Go Campus bei der Organisation unterstützen lassen, besonders aufgrund des beruhigenden Gefühls, alles geregelt zu haben. Es gibt auf der anderen Seite allerdings auch einige wenige Dinge, die ich anders machen würde. Ich würde zum Beispiel weniger Klamotten mitnehmen und dort mehr kaufen – das hätte sicher auch das Packen meines Koffers etwas entstresst…

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