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Schüleraustausch Erfahrungsbericht Laura in Ohio

Erfahrungen zu sammeln sollte das Ziel eines Jeden sein. Umso erstaunlicher ist es, wie viele man in nur 10 Monaten sammeln kann.  Mein eigenes Jahr in Jamestown, Ohio als ASSE Austauschschülerin war voller Erfahrungen. Zum einen positive, aber manchmal auch Erfahrungen, die ich nicht erwartet hätte. Letzten Endes sind all diese Erfahrungen der Grund dafür, dass mein Jahr so besonders und einzigartig war.

Gleich zu Beginn des Jahres zeigte sich, dass der Abschied von meiner Familie hier in Deutschland nicht ganz so schlimm war wie ich dachte. Meine Familie hat mich von Anfang an unterstützt und mir den Abschied leicht gemacht. Es hilft doch sehr zu wissen, dass man sich nach zehn Monaten wiedersieht. Das Heimweh an Weihnachten oder Geburtstag hielt sich in Grenzen, da ich neue Traditionen kennenlernen konnte und die Familie meine kennen lernen wollte. Ich fühlte mich so wohl in meiner amerikanischen Familie, dass mir nichts, fehlte. Natürlich ist da mal ein Tag, an dem man an Zuhause denkt, aber ich habe herausgefunden, dass man viel schneller darüber hinweg kommt, wenn man sich einfach mit Freunden trifft oder mit den Gasteltern redet. Um als Austauschüler an der Schule Freunde zu finden, muss man aktiv werden. Es ist nicht einfach, aber mit viel nachfragen und Interesse zeigen habe ich es geschafft, mich zu integrieren. Wie gut das funktioniert hab ich selbst gesehen. Eine Möglichkeit Anschluss zu finden sind sportliche Aktivitäten. Ich war Teil des Basketball-Teams der High School. Das gesamte Team wurde für mich wie Familie und ich hatte Freunde, denen ich alles anvertrauen konnte. Mit vielen der Mädels habe ich noch heute Kontakt.

Etwas anderes ist mir in Amerika sehr aufgefallen. Es scheint, als ob die Amerikaner freundlicher sind als wir hier in Deutschland. Im Supermarkt wird man angelächelt und gefragt, wie der Tag bisher war. Es wird oft keine Antwort erwartet, trotzdem finde ich das eine Geste, die den Umgang mit Menschen etwas freundlicher macht. Mir sind viele sehr hilfsbereite Menschen begegnet, vor allem meine Gastfamilie, die mich wirklich sehr unterstützt hat. Jedes Familienmitglied hat mich herzlich in die Familie aufgenommen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und wurde wie ein eigenes Kind behandelt. Es wurde von mir nur erwartet auch  respektvoll zu sein, klare Regeln zu beachten und mich ins Familienleben zu integrieren. Schwer fiel mir das nicht und ich habe meine Zeit sehr genossen. Noch heute habe ich engen Kontakt mit meiner amerikanischen Familie, und sie haben mich schon in Deutschland besucht und bald darf ich zu ihnen für einen Urlaub zurückkehren.

Zwischen Lehrern und Schülern herrscht eine etwas andere Beziehung als in Deutschland. Die formale Anrede in Englisch existiert nicht und so stehen sich Lehrer und Schüler auf gleicher Augenhöhe gegenüber. Meine High School hatte nur knapp  500 Schüler. Dadurch kennen die meisten Lehrer viele der Schüler und es entstehen Freundschaften. Lehrer sind manchmal die Trainer für Sportarten, und viele Freizeitaktivitäten finden in der Schule statt. Diese Art der Beziehung und Gemeinschaft, hat mir sehr gut gefallen, denn dadurch ist es einfacher, Fragen zu stellen, eventuell Hilfe zu bekommen und sich wohlzufühlen. Die Lehrer werden dennoch respektiert und sind Autoritätspersonen. Diese Erfahrung schätze ich sehr, sie hat mir geholfen, mich in der Schule einzuleben und bei Problemen, jeglicher Art, auf Lehrer zugehen zu können.

Zum Thema Schulen ist mir auch etwas sehr aufgefallen. Der Zusammenhalt und die Schulzugehörigkeit in Amerika ist viel größer als in Deutschland. Das kommt durch die vielen Sportarten und Wettkämpfe gegen andere Schulen. Zu diesen kommt oft die Mehrzahl der Schüler und feuert das eigene Team an. Ganz besonders haben mir American Football und Baseball gefallen. Mein Gastvater hat mir schnell die Regeln und Einzelheiten der Sportarten erklärt. Ich durfte mir sogar zweimal ein Footballspiel im Stadion zusammen mit meinen Gasteltern anschauen.

Ich musste auch die Erfahrung machen, dass selbst 10 Jahre Englisch lernen in der Grundschule und Gymnasium wirklich nicht ausreichten um sich dort komplett verständigen zu können. Es kommt natürlich dazu, dass man Konversation und freies Sprechen nicht gewöhnt ist. Dennoch ist es erstaunlich, dass nach knapp 1 ½ Monaten in Ohio, ich mich recht gut ausdrücken konnte und die Gedanken plötzlich Englisch und nicht mehr in Deutsch waren.

Es gab auf jeden Fall Höhen und Tiefen in meinem Aufenthalt in Ohio. Alle zusammen haben mein Jahr unbeschreiblich gemacht. Ich habe viele Erfahrungen und Erinnerungen gesammelt, die mich mein Leben lang begleiten werden. Jedoch gibt es zwei, die ich hervorheben möchte:

Auch wenn ich im August in ein fremdes Land, zu fremden Leuten gereist bin, habe ich sie im Juni, ein Jahr später, als meine Familie in Amerika verlassen. Aufgenommen als wäre ich schon immer ein Teil der Familie gewesen.

Egal, wie schwer etwas manchmal scheint, das Wichtigste ist, dass man sich durchkämpft und es bis zum Ende durchzieht. Die Erfahrungen, die man sammelt, die Menschen, die man kennenlernt, die Möglichkeit in einer anderen Kultur zu leben, all das ist unbezahlbar.

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