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Schüleraustausch Erfahrungsbericht Linn in Quebec

Mein High School Jahr in Kanada

Mein Name ist Linn, ich bin vierzehn Jahre alt und ich lebe seit drei Monaten als Austauschschülerin in Québec in Kanada. Insgesamt werde ich zehn Monate hier verbringen, um Französisch zu lernen, tolle Erfahrungen zu sammeln, eine andere Kultur mit ihren Traditionen und Werten kennenzulernen und viele neue Freunde zu finden. Ich stehe noch am Anfang meines Aufenthaltes, aber vieles davon ist mir auch in dieser Zeit schon gelungen.

Sprachcamp in Compton

Als ich am Flughafen in Montreal ankam, war ich zwar erschöpft von dem langen Flug, aber voller Neugier und auch Aufregung über das, was mich erwartet. Die Camp-Leitung sowie die meisten Austauschschüler waren schon da.Schnell fingen wir die ersten Gespräche an und lernten einander kennen. Auch wenn wir uns alle vorher nicht kannten, haben wir uns auf Anhieb gut verstanden, denn wir waren alle in der gleichen Situation: Gerade eben noch haben wir unsere Familien umarmt, jetzt standen wir hier an diesem riesigen Flughafen mit Leuten, die eine Sprache sprechen, die wir nicht verstehen, in dem Bewusstsein, dass gerade ein neues Kapitel unseres Lebens begonnen hat. Später wurden wir mit einem Bus in unsere zeitweiligen Gastfamilien gebracht. Diese zeitweilige Gastfamilie hat während des Sprachcamps mich und einen weiteren Austauschschüler aus Mexiko betreut und herumgefahren. In diesem Camp haben wir unterschiedlichste Aktionen und Übungen mit den anderen Austauschschülern gemacht, um auf die bevorstehende Zeit, das Eingewöhnen, die Sprachbarriere und den Kulturschock vorbereitet zu werden.

Mir hat diese Zeit sehr gut gefallen und ich erinnere mich auch gerne noch daran zurück. Ich habe viele Freunde dort gefunden und sehr viel Neues gelernt was andere Kulturen und die Sprache angeht, aber auch eine Konversation mit jemand Unbekanntem anzufangen und aus seiner Komfortzone zu gehen, was für ein Auslandsjahr unfassbar wichtig ist.

Alles ist neu... - Ankunft in Quebec

Am Flughafen in Québec angekommen, stand für mich die erste Begegnung mit meiner neuen Gastfamilie bevor. Meine neue Gastmutter hat direkt hinter der Gepäckausgabe auf mich gewartet. Die Autofahrt dauerte ungefähr eine Stunde, in der wir unsere erste Konversation in gebrochenem Englisch-Französisch geführt haben.

Ich hatte in der ersten Woche noch keine Schule und konnte deshalb in Ruhe ankommen und mich an alles gewöhnen und meine Gastfamilie gut kennenlernen.

Als diese Woche dann aber vorbei war, kam auch für mich der erste Schultag. Da ich vorher schon einen Nachmittag in der Schule gewesen bin, um die Räumlichkeiten kennenzulernen und meine Uniform abzuholen, kannte ich mich schon einigermaßen aus. Trotzdem war ich sehr erleichtert, als mir meine Schule eine Schülerpatin zugeteilt hat, die mich in meine Kurse begleitet hat und mir geholfen hat, mich zurecht zu finden. Ich habe schnell Freunde gefunden, wobei mir der Austauschschüler-Status sehr geholfen hat. In den ersten Tagen hatte ich immer wieder kleine Herausforderungen vor mir, wie zum Beispiel alleine einen Kurs zu finden oder das Mittagessen in der Schule: Schüler bereiten hier das Essen am Tag vorher zu Hause vor und machen es dann am nächsten Tag in der Schule warm. Die größte Umstellung für mich war allerdings, dass meine Schule mit iPads arbeitet. Wir haben einen digitalen Klassenraum, machen einen Großteil unserer Hausaufgaben mit Google doc oder Notability, einer App, um Notizen zu schreiben - auch auf Fotos oder Dokumenten - und benutzen das iPad fast in jedem Kurs. Für mich waren all diese Apps neu und haben mich zusätzlich zu der neuen Sprache noch verwirrt. Mit der Zeit kam ich aber immer besser mit allem klar und kannte mich auch besser in der Schule und Umgebung aus.

Heimweh, Kulturschock und weitere Unannehmlichkeiten…

Je mehr ich in meine Routine kam und mich besser auskannte, desto schlimmer wurde auch mein Heimweh. Ich habe genau die vier Phasen durchlebt, die uns im Camp beigebracht wurden. Honeymoon Phase: Alles ist neu und aufregend, obwohl ich in dieser Zeit schon Heimweh hatte, war das nicht das dominierende Gefühl. Es gab so viel Neues zu lernen und zu entdecken. Als zweites die Krise: Meine Gefühle brachen andauernd über mich herein und ich hatte schlimmes Heimweh und Unwohlsein. Dann folgte die Erholung, die mehrere Wochen voller Aufs und Abs dauerte, bis ich endlich anfangen konnte, meine Gefühle zu akzeptieren und ich anfing, mich besser zu fühlen, was der letzte Schritt ist: die Anpassung. Es ist unglaublich wichtig, in dieser Zeit mit Menschen über deine Gefühle zu reden, etwas zu unternehmen und sich nicht in seinem Zimmer zu verstecken. Denn es ist normal, diese Gefühle zu haben und man muss sie nicht alleine durchstehen. Alle waren sehr verständnisvoll und tröstend.  Dadurch, dass ich mit Menschen meine Probleme geteilt habe, konnte ich auch schnell eine gute Verbindung zu ihnen aufbauen. Was mir auch sehr geholfen hat, ist der Gedanke, dass ich dieses Gefühl nicht loswerden muss. Ich darf es haben, ich darf es aushalten, ich darf auf meinem Bett sitzen und eine Stunde weinen. Sobald ich das akzeptieren konnte, konnte ich auch mein Heimweh akzeptieren, was mich einen enormen Schritt nach vorne gebracht hat.

Meine High School in Kanada: Freunde und soziale Gruppen

Neue Leute kennenzulernen war nicht schwer. Meine Schule ist nicht groß und ich bin die einzige Austauschschülerin auf meiner Schule. Deshalb waren viele interessiert daran, was ich über Deutschland zu berichten hatte, wie es mir geht und wie ich Kanada so finde. Und auch wenn das allgemeine Interesse mit der Zeit nachgelassen hat, habe ich in dieser Zeit mehrere gute Freunde gefunden.

Was war und was ist

Pünktlich zum ersten Schneefall habe ich meine Gastfamilie gewechselt. Ich bin jedem sehr dankbar, der mir in meiner Zeit hier schon geholfen hat, was auch auf meine erste Gastfamilie zutrifft. Trotzdem bin ich sehr froh und zufrieden, diesen Schritt gemacht zu haben. Der Wechsel verlief glücklicherweise problemlos und schnell ab. Ich lebe nun bei der Familie einer Schulfreundin, mit der ich mich auch schon vorher immer gut verstanden habe. Die Familie hat angeboten, mich anzunehmen und mich einen Teil ihrer Familie sein zu lassen, worüber ich unglaublich glücklich bin. Mein Französisch macht auch immer mehr Fortschritte, was auch an dem privaten Französischunterricht liegt, den ich von meiner Schule bekomme. Dieses Wochenende habe ich eine Aufführung mit der Theater AG meiner Schule, durch welche ich auch schnell Anschluss und Freunde gefunden habe, die mir aber auch beim Französischen hilft.

Die letzten drei Monate waren vollgepackt mit Herausforderungen, Erfahrungen, gute und manchmal auch schlechte, Überraschungen und Schwierigkeiten. Ich bin sehr froh, bis jetzt alle Probleme gemeistert, alle Erfahrungen genossen und Erinnerungen für ein Leben geschaffen zu haben. Ich bin immer wieder überwältigt, wie schnell die Zeit vergeht und wie viel ich schon erleben durfte. Deshalb freue ich mich auf die Zeit, die noch vor mir liegt, auf weitere sieben Monate in diesem wunderbaren Land.

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