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Schüleraustausch Erfahrungsbericht Tanja in Kanada

Ein Schuljahr im Ausland, eine Erfahrung fürs Leben. Ich habe diese Erfahrung während eines Auslandsjahrs in der kanadischen Provinz Québec gemacht. Zu Beginn war alles sehr neu und ungewohnt. Ein anderes Land, eine andere Sprache eine andere Kultur, irgendwie war alles anders. Es ist wahrlich ein Abenteuer auf das man sich begibt, allerdings auch ein Abenteuer, das sich auf jeden Fall lohnt, wenn man sich darauf einlässt.

Es gibt zwei Tage, gleich zu Beginn des Jahres, an denen man besonders aufgeregt ist. Zum einen ist es der Tag, wenn man seine Gastfamilie das erste Mal trifft, und zum anderen ist es der erste Schultag. Der Tag der Abreise ist von vielen Emotionen geprägt. Vorfreude auf das was kommt, auch ein bisschen Aufregung ist durchaus dabei und auf der anderen Seite das Wissen seine Familie für längere Zeit nicht zu sehen. Spätestens bei der Ankunft im Gastland ist es dann nur noch die pure Freude. Die Ankunft in der Gastfamilie ist etwas ganz Besonderes. Es ist die Ankunft in einem neuen Haus und in einer neuen Familie, die für ein Jahr zum neuen Zuhause wird. Die erste Woche über war es noch sehr ungewohnt zu sagen:“ Ich gehe nach Hause“, aber bereits nach kurzer Zeit habe ich mich wirklich wie zu Hause gefühlt.

Auch in der Schule war alles halb so schlimm wie ich vermutet hatte. Es ist immer seltsam irgendwo neu zu sein, aber wenn man dann auch die Sprache nicht richtig versteht, macht es das nicht leichter. Ich war wirklich sehr skeptisch, wie das wird, wie ich von den Klassenkameraden aufgenommen werde und vor allem, wie ich im Unterricht etwas verstehen und mitkommen soll. Glücklicherweise war ich bereits vor Beginn des Schuljahres mit meiner Gastmutter in der Schule, um meine Kurse zu wählen und auch die Lehrer schon mal kennen zu lernen. Somit konnte ich relativ entspannt in den ersten Unterricht sitzen, da ich die Lehrerin schon kannte und sie wusste, dass Französisch nicht meine Muttersprache ist. Sie hat mich dem Kurs vorgestellt. Was für mich sehr neu war und worüber ich froh war ist, dass ich von einer Mitschülerin, die mich zu den ersten Kursen gebracht hat, darauf hingewiesen wurde, dass niemand seinen Schulranzen mit in den Unterricht nimmt. In den Unterricht nehmen alle nur das, was sie für den Unterricht brauchen, sprich Ordner, Hausaufgabenheft und Mäppchen mit. Der Rest bleibt im Spind. Die ersten Kontakte in der Schule zu knüpfen war nicht ganz einfach. Ich hatte zwar bereits einige Jahre Französisch in der Schule gelernt, trotzdem habe ich mich gefühlt, als würde ich nichts verstehen und hätte noch nie ein Wort Französisch gehört oder gelernt. Dazu kam, dass in Québec nicht das Französisch gesprochen wird, das ich in der Schule gelernt habe, sondern sich das Québécois durchaus von dem Französisch Frankreichs unterscheidet. Dieses Problem blieb auch die erste Zeit über. Deshalb hat es mich umso mehr gefreut und überrascht, als Klassenkameraden, mit denen ich bereits einen Kurs am Morgen gehabt hatte, in der Mittagspause auf mich zukamen und mich fragten, ob ich mit ihnen essen möchte.

Neu für mich war auch das Fahren mit den typisch gelben Schulbussen. Am ersten Tag wusste ich nicht genau, wo ich mich hinsetzen sollte, da mir nicht klar war, ob es festgelegte Plätze gibt. Aber auch da wurde der Kontakt schnell von meinen Mitfahrern aufgenommen.

Alles in allem kann ich sagen, dass es stimmt, dass Kanadier sehr offen und freundlich sind. Diese Gastfreundschaft und Offenheit Kanadas ist wirklich bemerkenswert und macht es leicht sich in diesem Land wohlzufühlen und zu integrieren. Während des Jahres erlebt man viele große und kleine Abenteuer. Es gibt immer wieder Herausforderungen, die im ersten Moment aber größer aussehen, als sie letzten Endes sind. Dazu gehört das Einleben in eine neue Kultur, das Kennenlernen und Versuchen von neuem, seien es traditionelle Gerichte oder das Erleben von anderen Sitten. Es sind ganz vielfältige Herausforderungen, nicht zuletzt auch in der Schule, die einem während eines Auslandsjahres gestellt werden. Ich von meiner Seite kann aber auch sagen, dass es genau diese Herausforderungen sind, die einen während des Auslandsjahres wachsen und sich verändern lassen. Man sollte auf jeden Fall nicht davon ausgehen, dass alles so ist wie gewohnt oder wie man es sich vorgestellt hat.

Ein besonderes Highlight ist, wenn man die Möglichkeit hat, einen Schulabschluss in dem jeweiligen Gastland zu machen. Ich hatte diese Möglichkeit und dadurch einen Ansporn, um mich in der Schule reinzuhängen und alles mir mögliche zu tun, um dieses Ziel auch wirklich zu erreichen. Zu einem Abschluss gehört natürlich auch der Abschlussball, der nicht nur als Gastschüler sondern auch für alle Freunde und Klassenkameraden etwas ganz Besonderes ist. Für mich war der Abschlussball, inklusive Vorbereitungen, ein einmaliges Erlebnis, das ich nicht missen will.

Ich habe sehr viel aus meinem Auslandsjahr mitgenommen. Nicht nur, dass ich mein Französisch sehr verbessert habe, sondern auch Kontakte geknüpft habe, die mir lange bleiben werden. Auch in Bezug auf meine Person habe ich viel gelernt. Vieles was mir früher noch nicht so bewusst war, ist mir klar geworden. Auch auf die Selbständigkeit und das verantwortungsvolle Handeln hatte das Auslandsjahr einen positiven Einfluss. Durch die verschiedenen neuen Eindrücke fängt man an Vorurteile zu überdenken, stellt allerdings auch fest wie tief diese in unserem Bewusstsein verankert sind. Umgekehrt habe ich bemerkt, dass es im Ausland Vorurteile über Deutsche gibt, die in manchen Fällen stimmen in anderen aber auch durchaus grotesk sind.

Mit der Zeit verschwimmen die Grenzen der Kulturen. Man wird irgendwie ein bisschen zum Kanadier, ob man es will oder nicht. Ein Schüleraustausch ist ein wunderschönes Erlebnis, sodass ich jedem, der Lust hat etwas Neues zu erleben, nur raten kann, das Abenteuer zu wagen.

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