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Schüleraustausch Erfahrungsbericht Thea in Südkorea

Von klein auf war einer meiner größten Wünsche einen Auslandsaufenthalt an einer Highschool in Südkorea zu machen. Vor ungefähr anderthalb Jahren habe ich mich dann bei ASSE Germany beworben und nun bin ich schon seit fast drei Monaten in Daegu, Südkorea. Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit rum geht! Daegu ist eine größere Stadt, südlich gelegen. Da die Stadt von Bergen eingekesselt ist, ist es im Sommer sehr heiß. Als wir Austauschschüler im August ankamen, hatten wir Temperaturen von bis zu 38 Grad Celsius. Die hohe Luftfeuchtigkeit hat einem am Anfang das Atmen sehr schwer gemacht, aber die kleinen Miniventilatoren, die hier im Sommer so gut wie jeder mit sich herum trägt, und die Klimaanlagen erleichtern einem den Alltag um einiges.

Als wir von dem Flughafen in Incheon mit einem Bus nach Daegu gefahren sind, wurden wir alle ganz herzlich von unseren Gastfamilien in Empfang genommen. Meine Gastfamilie besteht aus meinem Gastvater, meiner Gastmutter und meinen beiden Gastgeschwistern, zwei und acht Jahre alt. Von dem Moment an, wo wir alle in Korea angekommen sind, haben wir die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Koreaner zu spüren bekommen. Man wird überall herzlich willkommen geheißen und selbst fremde Leute kommen manchmal auf der Straße auf einen zu, um einen zu grüßen oder interessiert zu fragen wo man herkomme oder wie es einem in Korea gefalle. Zudem gibt es hier viele Sachen, die einem den Alltag um einiges erleichtern, sei es die Transportation-Card, mit der man in Sekundenschnelle den Fahrpreis von Bus und Bahn bezahlen kann, oder die Convenience-Stores, die 24-Stunden am Tag geöffnet haben und so gut wie alles verkaufen.

Wir Austauschschüler gehen auf ganz normale koreanische High Schools und nehmen am Unterricht teil, müssen aber keine Klassenarbeiten mitschreiben, sondern haben an den Tagen schulfrei. Jede Schule in Korea hat eine Schuluniform für den Sommer und für den Winter und einige auch noch eine für den Sportunterricht. Da die Schuluniformen sehr teuer sein können, ist es sehr wichtig genügend Geld dafür einzuplanen! Natürlich sind die Unterrichtszeiten von Schule zu Schule unterschiedlich, aber ich muss jeden Tag um 8:00 Uhr morgens in der Schule sein. Beim Betreten der Schule wird kontrolliert, ob die Schuluniform vorschriftsmäßig getragen wird. Ab und zu wird auch kontrolliert, ob die Röcke lang genug sind, da sehr viele Schülerinnen ihren Rock beim Schneider kürzen lassen. Nagellack, Make-up und Haare färben sind an unserer Schule verboten, wird man damit erwischt, fordern einen die Lehrer dazu auf sich abzuschminken.

Von 8:00 Uhr bis 8:20 Uhr bespricht unsere Klassenlehrerin alle organisatorischen Dinge mit uns. Danach ist immer abwechselnd zehn Minuten Pause und 50 Minuten Unterricht. Ab 12:20 Uhr gibt es bei uns in der Mensa Mittagessen. Danach geht der Unterricht weiter. Nach der sechsten Stunde gibt es extra zehn Minuten, die für das Putzen der Schule vorgesehen sind. Das wird von den Schülern erledigt. Meistens endet der Unterricht nach der siebten Stunde, um 16:20 Uhr. Für koreanische Schüler bedeutet Schulschluss aber nicht automatisch, dass sie nach Hause gehen. Die meisten Schüler gehen nach der Schule in sogenannte „학원“(Hakwons), auch als „Academie“ bekannt. Darunter kann man sich so etwas wie Nachhilfeschulen vorstellen, in denen die Schüler extra Unterricht bekommen und lernen. Einige Schüler bleiben auch in der Schule, um an anderen Nachmittagsaktivitäten, wie extra Matheunterricht, Kunstprojekten oder anderen zusätzlichen Unterrichtsfächern teilzunehmen. Außerdem gibt es die Möglichkeit etwas zu machen, das hier „야자“(Yaja) genannt wird. Das ist einfach nur ein selbstständiges Lernen, wofür man sich anmelden kann. Ist man angemeldet, gilt aber eine Anwesenheitspflicht. Die Zeiten dieses Selbstlernens können variieren, bei unserer Schule endet es um 20:50 Uhr, bei anderen Schulen dauert es manchmal bis 22:00 Uhr. Von Austauschschülern wird das Teilnehmen an diesem Selbstlernen auf keinen Fall erwartet, doch finde ich persönlich, dass es eine tolle Erfahrung ist, die man in dieser Form nicht in Deutschland machen kann.

Da ich auf eine reine Mädchenschule gehe, war es am Anfang erst ungewohnt, plötzlich so gut wie keine Jungs mehr zu sehen, doch im Großen und Ganzen ist die Atmosphäre oft entspannter als auf einer gemischten Schule. Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist in Korea um einiges enger als in Deutschland. So macht der Unterricht viel mehr Spaß und man kann motivierter in den Tag starten. Meistens zeigen die Lehrer auch Verständnis dafür, wenn die Schüler im Unterricht einnicken. Manchmal werden diese Schüler aber an Stehtische geschickt, damit sie wach bleiben. Dies soll in keiner Weise abschreckend klingen, sondern nur unterstreichen, wie hoch angesehen Lernen und Bildung in Korea sind.

Der wichtigste Teil eines Schüleraustausches ist aber natürlich die Gastfamilie. Gastfamilien nehmen einen freiwillig für zehn Monate auf. Man sollte nicht vergessen, dass sie dafür nicht bezahlt werden. Trotzdem ist es wichtig, dass die Atmosphäre stimmt. Denn wenn sie nicht stimmt, kann es einem den Auslandsaufenthalt sehr schwer machen. Der wichtigste Teil dabei ist die Kommunikation. An diesem Punkt möchte ich allen Austauschschülern, die planen ihr Auslandsjahr in Südkorea zu verbringen dazu raten, vor ihrer Abreise ausreichend Koreanisch zu lernen! Ich habe vor meinem Aufenthalt bereits zwei Jahre Koreanisch gelernt, was mir das Ganze ziemlich erleichtert hat. Ausreichende Sprachkenntnisse helfen einem nicht nur bei einer selbstständigen Orientierung, sondern können einen vor Missverständnissen bewahren und einem das Mitkommen im Unterricht erleichtern. Zudem sollte man im Hinterkopf behalten, dass sich nicht alle Koreaner mit der englischen Sprache wohlfühlen und es auch Gastfamilien gibt, die gar kein Englisch sprechen können. Da ich zwei kleine Gastgeschwister habe, ist meine Gastmutter immer zu Hause, um den Haushalt zu machen, während mein Gastvater arbeitet. Da er von sehr früh morgens bis spät abends und auch am Wochenende arbeitet, sehen wir uns kaum. Mein Gastbruder geht in den Kindergarten und meine Gastschwester, die momentan in die zweite Klasse geht, kommt meist sehr spät nach Hause, da sie zur „Hakwon“ geht. Deswegen haben wir leider sehr wenig Zeit um gemeinsame Familienausflüge zu machen. Wenn wir aber Zeit finden, machen wir sehr tolle Ausflüge oder Workshops. Insgesamt habe ich mich sehr schnell bei meiner Gastfamilie eingelebt und wir kommen sehr gut miteinander aus. Ich bin sehr dankbar dafür, dass meine Gastfamilie mir trotz unserer kleinen Wohnung ein eigenes Zimmer zur Verfügung gestellt hat. Einen richtigen Kulturschock hatte ich bisher noch nicht, aber vielleicht kommt das ja noch. :)

Zum Schluss noch einige Tipps an die zukünftigen Austauschschüler: Zuerst einmal zum Essen. Ich selber habe in Deutschland kein Fleisch gegessen, aber in Korea ist es sehr schwer bis fast unmöglich Vegetarier zu sein, da es bei so gut wie jeder Mahlzeit Fleisch gibt. Sowieso kann ich nur empfehlen alles mögliche an Essen einmal zu probieren, was man hier bekommt, denn man weiß nie, wann man wieder eine Chance dazu bekommt. Dabei muss man vielleicht auch manchmal aus seiner Komfortzone treten. Meine Gastmutter hat mich zum Beispiel einmal 번 데기(Beondegi), Seidenraupenlarven, was hier ein bekanntes Streetfood ist, probieren lassen. Außerdem sollte man sich darauf einstellen, dass man vielleicht nicht ganz so viel Privatsphäre hat, wie man es aus Deutschland gewohnt ist. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass Koreaner sehr viel Wert auf Respekt legen. Daher sollte man auf jeden Fall bevor man nach Korea geht, die unterschiedlichen Höflichkeitsformen der Sprache beherrschen und sich immer respektvoll verhalten. Zum Kofferpacken kann ich nur den Tipp geben nicht zu viel Kleidung einzupacken, da man die meiste Zeit die Schuluniform trägt. Während der Sommer in Korea sehr heiß ist, ist der Winter sehr kalt. Daher empfiehlt es sich verschiedene dicke Kleidungsstücke einzupacken, aber eigentlich kann man alles auch sehr günstig hier kaufen. Einige Hygieneartikel, wie Rasierer und Deo sind in Korea sehr schwer oder nur sehr teuer zu finden, weswegen es sinnvoll ist sich davon einen Vorrat mitzunehmen. Zum Schluss kann ich nur empfehlen, immer offen für Neues zu sein und selbst wenn es mal nicht so gut läuft, nicht sofort aufzugeben. Denn egal in welches Land man als Austauschschüler geht, es wird immer Hochs und Tiefs geben, aber das ist das, woran wir lernen und wachsen können!

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